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Freitag, März 21, 2014

innocent story #2 - Hoffnungsschimmer

"Giovanni di Lorenzo traf in seinem Vortrag 'Die Macht (und Ohnmacht) der Presse' am 20. März 2014 im Audimax der TU Dresden Aussagen, die die anwesenden Sensationsjournalisten und Hobby-Alleskritiker wahrscheinlich nicht erwartet hatten. Die wenigen undeutlich formulierten Fragen und Kritikpunkte in der anschließenden Diskussionsrunde könnten noch so wirr und weit hergeholt sein - der Chefredakteur der ZEIT beantwortete jede von ihnen ohne Zögern und viel umfassender, als die Fragen hätten gemeint sein können.
Er begann seine Rede damit, die Ohnmacht der Presse auszuschließen. Die Printmedien würden sich selbst den Weg in den Untergang pflastern mit ihrer Jammerei und Fingerdeutung auf das böse, gemeine Internet. Dieser Gedanke begegnete mir schon öfter und ich kann ihn nur unterstreichen. Das Internet und alle von ihm mitgebrachten Plattformen als Chance zu sehen, gelingt vielen Unternehmen - nur der Branche der Printmedien nicht so richtig.
Di Lorenzo erklärte in diesem Zusammenhang das Spannungsfeld zwischen Kostspieligkeit der gedruckten Informationsvermittlung und Onlinemedien. Warum man nun weiterhin Geld für überirdisch großformatige Blätter und damit abgeholzte Bäume ausgeben sollte und vor allem, wie man den Digital Natives dieses Problem erklären könne, kam auch in der anschließenden Diskussionsrunde als Frage auf - so richtig könnte di Lorenzo das aber nicht beantworten. Er nannte das die 'Millionenfrage', auf die noch niemand eine Antwort finden konnte. So jedenfalls rief er dazu auf, von Jammereien und Selbstzerstörung abzusehen, da gerade die Macht der Presse so starke Auswirkungen hätte, dass sie sich durch diese Meinungsverbreitung selbst in den Abgrund stürzen würde.
Stark beeindruckt hat mich dann, was Giovanni di Lorenzo im Folgenden zu seiner Botschaft machte: seid gewissenhafter im Umgang mit dieser Macht. Neben Christian Wulff nannte er noch einige weitere Beispiele, bei denen die Macht der Presse Leben zerstört hatte. Nicht durch das richterliche Urteil würden diese Menschen büßen müssen, sondern auch durch das einer ganzen Bevölkerung - beeinflusst durch die Schlagzeilen.
Die tatsächliche Macht belegte di Lorenzo an z.B. der Skandalsaufdeckung des ADAC durch die Süddeutsche Zeitung und verglich dabei die deutsche, in seinen Worten beste Presselandschaft der Welt laufend mit der italienischen.
Fragen, die der sympathische Mann nicht stellte, die aber in meinem Empfinden als fordernder Nebel um all seine Worte schwebten waren: was erlauben wir uns? Wo bleibt die Nächstenliebe?

Ich will ihm hier keine Worte in den Mund legen, jedoch stimmten seine Gedanken bemerkenswert oft mit den Eindrücken überein, die ich von der Ellenbogenbranche zuletzt hatte. Warum werden in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten härter für Vergehen gestraft als der natürlich immer hundertprozentig gewissenhafte Steuerzahler? (Di Lorenzo erwähnte dabei den Bestseller '1000 Steuertricks', den wir alle natürlich nur gekauft haben, um unserem Steuerprüfer die Arbeit zu erleichtern.)

Giovanni di Lorenzo hat insgesamt großen Eindruck auf mich gemacht, in Aussagen, Botschaft, Humor und Vorstellung von Qualitätsjournalismus. Natürlich hat er in seinem Vortrag weit mehr angesprochen, als ich hier zusammenfassen kann und ich möchte auch darum bitten, das hier nicht als Zusammenfassung zu verstehen. 
Jedenfalls ein angenehmes Gefühl war es, seine Worte in dem Wissen und des Bewusstseins über seinen großen gesellschaftlichen Einfluss aufzunehmen. Vielleicht ist diese Welt doch nicht so verloren :)'

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